7. WBW-Gewässerdialog „Wasser in Wald und Landschaft“
24.05.2022 | Campus Schwarzwald, König-Wilhelm-Straße 15, 72250 Freudenstadt                 

 

Die Rolle des Waldes für einen nachhaltigen Wasserkreislauf rückt nicht erst seit den Trockenjahren des letzten Jahrzehnts immer mehr in den Fokus. Wald und Waldböden spielen eine gut bekannte Rolle im Entstehen, dem Schutz und der Speicherung von wertvollen Trinkwasserressourcen. Waldböden wirken als Puffer für Schadstoffe, schützen ihre Einzugsgebiete vor Hochwasserspitzen und mildern Niedrigwasserperioden ab. Naturnahe Fließgewässer, Auwälder und andere Feuchtbereiche, wie Quellen und Moore, leiten und halten das Wasser in der Landschaft, kühlen ihre Umgebung und stellen nicht zuletzt wertvolle, inzwischen oft seltene Biotope und Vernetzungsstrukturen dar. Diese sogenannten „Wirkungen“ oder „Ökosystemdienstleistungen“ können durch entsprechendes Management in Form von bodenschonender naturgemäßer Waldbewirtschaftung, zielgenauer Pflege, sachgerechter Wiederherstellung oder Unterschutzstellung von Biotopen einen bedeutenden Baustein zur Sicherung der Wasserverfügbarkeit in einem veränderten Klimaregime darstellen. Passend dazu verpflichtet uns die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen zum genauen Blick unter anderem auf unsere Auen, Fließgewässer und Moore.

Dies gelingt am besten, indem alle beteiligten Akteure und Nutzergruppen zusammenarbeiten und ihr spezifisches Wissen einbringen. Dieser Gewässerdialog findet in Kooperation mit der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und mit Unterstützung des LRA Freudenstadt statt und greift einige aktuelle Querschnittsthemen aus Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz sowie deren Zusammenwirken auf.

Programm:

  • Das ökologische Potential von Waldbächen
    Lisa Anhäuser (FVA)
    Di
    e engen ökologischen Verbindungen zwischen Gewässern und ihren Ufer- und Randbereichen sind bekannt. Gerade die Oberläufe und Quellgebiete liegen in Baden-Württemberg meist im Wald. Über eine GIS-Analyse auf Basis vorhandener Geodaten konnten strukturelle Defizite und Verbesserungspotenziale an Waldbächen und den gewässerbegleitenden lokalisiert, kategorisiert und landesweit berechnet werden. Dabei konnten gleichzeitig Restriktionen z. B. aus dem Denkmalschutz und aus besonderen artenschutzfachlichen Anforderungen, einbezogen werden. Das Verfahren ersetzt keine Strukturkartierung, sondern ist ein Instrument zum schnellen Auffinden von Potenzialräumen.
  • Biotopverbund Gewässerlandschaften
    Dr. Karin Deventer (LUBW)
    Die Umsetzung eines landesweiten Biotopverbunds ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Als linearen Verbundachsen wächst vor allem den naturnahen Fließgewässern und ihren Randbereichen hohe Bedeutung für den Biotopverbund zu. Unter intensiver Beteiligung mehrerer Fachverwaltungen wurde mit dem „Biotopverbund Gewässerlandschaften“ eine nach naturschutzfachlicher Eignung gegliederte räumliche Kulisse erarbeitet, die in den Fachplan Landesweiter Biotopverbund Baden-Württemberg integriert wird. Sie dient der räumlichen Steuerung von Maßnahmen entlang von und in Gewässern, der planerischen Sicherung der für den Biotopverbund relevanten Flächen sowie als Handlungsanleitung für die Umsetzung des landesweiten Biotopverbunds.
  • Modellierung der Wasserverfügbarkeit der Wälder Baden-Württembergs im Klimawandel
    Raphael Habel (FVA)

    Der Wasserhaushalt von Wäldern ist ein Zusammenspiel von Klima, Boden, Relief und Vegetation. Durch die sich wandelnden klimatischen Rahmenbedingungen wird es jedoch zunehmend schwierig, die Wasserverfügbarkeit der Wälder in der Fläche und vor allem im Hinblick auf die Zukunft korrekt abzuschätzen. Im Projekt WHH-KW (Wasserhaushalt im Klimawandel) soll der Wasserhaushalt von Wäldern, der bisher von der Forstlichen Standortskartierung statisch in Karten festgehalten wird, dynamisch und räumlich differenziert abgebildet werden. Für die Zukunft lassen sich so verschiedene Klimaszenarien durchrechnen, um die forstliche Praxis bei der Beurteilung der Anbaueignung von Baumarten zu unterstützen und einen Beitrag für den Aufbau klimaresilienter Wälder zu leisten.
  • Moorschutz und Trinkwasserqualität
    Eberhard Hoehn (Limnologie-Büro Hoehn) und Diana Weigerstorfer (FVA)

    Wo viel sauberes Wasser aus dem Wald kommt, wird oft Trinkwasser gewonnen. Wo viel Wasser ist, liegen auch meistens Moore. In den Bemühungen um die Verminderung der Treibhausgasemissionen einerseits und die Sicherung der Biodiversität andererseits sollen möglichst viele geschädigte Moore saniert werden. Dies kann an solchen Orten zu Zielkonflikten mit der Trinkwassergewinnung führen, da die moorbürtigen, huminstoffreichen Wasserinhaltsstoffe aus solchen Einzugsgebieten in der Trinkwasseraufbereitung stören können. Am Beispiel eines Moor-Renaturierungsprojekts in Zusammenarbeit mit der Wasserversorgung Kleine Kinzig wird aufgezeigt, welche Fragen auftauchen und wie diese gelöst werden können.
  • Diskussionsrunde und lockerer Ausklang

Über die aktuell bei der Veranstaltung geltenden Corona-Regelungen werden wir die Teilnehmer kurz vor der Veranstaltung tagesaktuell informieren.

Veranstaltungsdetails:

  • Dauer: 14.00 bis ca. 18.00 Uhr
  • Anmeldung: direkt über unser Anmeldeformular
  • Die Veranstaltungsinformationen werden Ihnen rechtzeitig vor der Veranstaltung übermittelt.
  • Für WBW-Mitglieder einschließlich des LRA Freudenstadt und der Mitarbeiter der FVA ist die Veranstaltung kostenfrei. Von Nichtmitgliedern wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 25,- Euro erhoben, der bis zum 20.05.2022 auf das in der Bestätigung angegebene Konto des WBW zu überweisen ist.